Hinweise zum Umgang mit Haus‐ und Versuchstieren
im Zusammenhang mit SARS‐CoV‐2

Dr. Friederike Christ


Können sich Tiere mit SARS‐CoV‐2 infizieren?

Grundsätzlich ist eine Infektion von Tieren mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) möglich. Das natürliche Reservoir des Virus ist im Tierreich zu finden (Fledermäuse und sehr wahrscheinlich das malaische Pangolin als Zwischenwirt [1]). Auch konnten diverse Tierarten experimentell infiziert werden (z.B. nichtmenschliche Primaten [2], Frettchen und Katzen [3, 4]), jedoch sind natürliche Infektionen von Haustieren derzeit sehr selten und wurden bisher nur bei wenigen Haustieren weltweit festgestellt (Zwei Hunde in Hongkong, eine Katze in Belgien und weitere Hauskatzen in den USA [5]).

Alle Haustiere hatten engen Kontakt mit ihren SARS-CoV-2 infizierten Besitzern. Die Hunde zeigten keinerlei Symptome, obwohl es sich bei einem sogar um einen 17-jährigen Hund mit Vorerkrankungen handelte. Die Katze in Belgien zeigte typische Symptome für die Erkrankung (Atemwegssymptome, Durchfall), ist inzwischen aber wieder genesen. Die New Yorker Katzen zeigten ebenfalls milde respiratorische Symptome [5]. Berichte aus dem New Yorker Zoo gehen auch von einer natürlichen Infektion der dortigen Tiger und anderer Großkatzen aus. Ein Tiger wurde nach dem Auftreten von „typischen Symptomen“ (trockenem Husten) in der dortigen Population positiv auf das SARS-CoV-2 getestet. Die anderen Großkatzen-Arten zeigten keine typischen Symptome [5, 6]. Weiterhin zeigt eine chinesische Studie, dass auch Hauskatzen, nicht jedoch Hunde, empfänglich für das Virus sind. Diese Aussage ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da den Tieren hochdosiert Virus intranasal verabreicht wurde, was keinesfalls mit einer natürlichen Infektion vergleichbar ist. Keines der infizierten Tiere, weder die direkt infizierten, noch die Kontakttiere, zeigte außerdem Krankheitssymptome. Auch konnte bei einer anschließenden Sektion kein Virusmaterial in den Lungen der Tiere nachgewiesen werden [4, 7].

Diese Fakten sprechen natürlich dafür, dass insbesondere Katzen ein potenzielles Reservoir (und Überträger) der Covid-19 Erkrankung sein können. Inzwischen geht auch das Friedrich-Löffler-Institut davon aus, dass Haustiere (insb. Katzen) mögliche Vektoren der Erkrankung sein könnten. Es wird jedoch betont, dass Katzen in keinem Fall eine wesentliche Rolle am Seuchengeschehen spielen [3]. Dies wird durch eine Studie im Landkreis Heinsberg bestätigt. So wurden in diesem Landkreis, der ja als besonders betroffen gilt, Katzen infizierter Personen beprobt und in keinem dieser Tiere konnte Virusmaterial nachgewiesen werden [7].
Weiterhin ist zu betonen, dass nach wie vor keine Hinweise bestehen, dass das Virus von den Tieren wieder auf den Menschen übertragen werden kann. Der primäre Hauptübertragungsweg ist von Mensch zu Mensch [3, 8].

Besteht ein Risiko für die Übertragung des Virus durch Tiere?

Auch wenn sich Tiere in Einzelfällen mit dem SARS-CoV-2 infiziert haben, bestehen derzeit keine Hinweise darauf, dass (Haus)tiere das Virus auf den Menschen übertragen können bzw. eine Rolle im Infektionsgeschehen spielen [3, 8, 9]. Auch ist noch nicht geklärt, wie das Virus überhaupt vom tierischen Wirt auf den Menschen übertragen werden konnte [8]. Somit muss der Kontakt nicht-infizierter Besitzer, Tierhalter oder anderer Kontaktpersonen zu Tieren nicht eingeschränkt werden. Jedoch ist die Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln angeraten.

Handelt es sich um Tiere infizierter Personen oder um Tiere, die mit infizierten Personen in Kontakt waren, ist jedoch Vorsicht anzuraten. So sollten nach Empfehlung der OIE (World Organisation for Animal Health) und des FLI diese Tiere in einem veterinärmedizinischen Labor ebenfalls auf SARS-CoV-2 getestet werden, um eventuelle weitere Übertragungswege nachverfolgen zu können. Zumindest jedoch sollten Tiere infizierter Besitzer, die Atemwegssymptome zeigen, einem Tierarzt vorgestellt und dieser auf die Infektion des Besitzers hingewiesen werden.

Weiterhin sollte die Pflege der Tiere vorübergehend von anderen, nicht-infizierten Personen (ideal jüngere, gesunde Personen) übernommen werden. Weiterhin sollten die Tiere der infizierten Personen auch im Heimathaushalt bleiben, sowie Katzen infizierter Besitzer sollten vorübergehend keinen Freilauf bekommen. Dies dient dazu, dass die Tiere nicht als Vektoren fungieren und die Infektion nicht in andere Haushalte übertragen [3].

Wichtig ist trotzdem, nicht vom Tier, sondern vom Infizierten Besitzer geht die Gefahr aus! Daher sind bei Kontakt zu Tieren infizierter Personen bzw. zu Tieren, die mit infizierten Personen in Kontakt waren, die Hygieneregeln einzuhalten (siehe 3) [9]!

Welche Hygieneregeln sind einzuhalten?

Am Institut

Da derzeit davon auszugehen ist, dass keines unserer Versuchstiere eine SARS-CoV-2 Infektion hat, sind weiterhin alle Hygienevorschriften einzuhalten. Nur der Kontakt zu infizierten Personen könnte unsere Tiere, infizieren!

Zu den Hygieneregeln zählen:

  1. Allgemeine Sicherheitsregeln, die bezüglich der aktuellen Situation gelten, sind strikt einzuhalten. Insbesondere Kontaktpersonen (zu Infizierten) 1. und 2. Grades, sowie Personen aus Risikogebieten haben kein Zugang zur Tierhaltung. Sollte ein*e Mitarbeiter*in typische Covid-19 Symptome oder auch eine unspezifische Atemwegssymptomatik zeigen, ist dies ärztlich zu überprüfen. Erst wenn eine Covid-19 Erkrankung ausgeschlossen ist, kann die Tierhaltung nach Rücksprache mit Vorgesetzen und Tierhausleitung wieder betreten werden (Behördliche Anordnungen sind hier selbstverständlich miteinzubeziehen).
  2. Vor und nach der Arbeit ist die Kleidung zu wechseln. Dies gilt strikt für die Felltierhaltungen. Bei den Fischen ist davon auszugehen, dass keine Übertragung stattfinden kann. Insbesondere Personen mit Haustieren müssen während des Aufenthalts in der Tierhaltung Arbeitskleidung, die nicht in Kontakt mit den Haustieren war, tragen. Während des Tragens von Arbeitskleidung ist der Kontakt zu anderen Tieren, z.B. Hunden auf dem Campus, zu meiden
  3. Während des Aufenthalts in der Tierhaltung ist stets die vorgeschriebene Schutzkleidung zu tragen. Bei allen Felltieren sind dies Haarhaube, Mundschutz und Handschuhe.

Zu Hause

Gesunde Personen müssen keine besonderen Regeln im Umgang mit ihren Haustieren beachten. Eine allgemeine Hygiene (kein Lecken im Gesicht, kein Teilen von Nahrung, gründliches Händewaschen, ...) sei jedoch angeraten.
 
Sollte man selbst mit SARS-CoV-2 infiziert sein, sollte man den nahen Kontakt zu seinem Tier meiden und auch das Tier sollte soweit wie möglich keinen Kontakt zu anderen Tieren haben (siehe 2). Weiterhin ist für Personen, die sich um Tiere infizierter Personen kümmern, folgendes zu beachten:

  1. Wenn möglich, sollte man jung und gesund sein, d.h. keiner Risikogruppe angehören.
  2. Die Tiere sollten nicht in anderen Haushalten untergebracht werden.
  3. Erfahrung mit der jeweiligen Tierart (z.B. Hund) ist empfehlenswert. Insbesondere, da beim Gassigehen ein gewisser Gehorsam (und die Einforderung dessen) notwendig ist.
  4. Der (infizierte) Tierbesitzer sollte sich vor Übergabe des Tieres gründlich die Hände waschen. Direkter Kontakt ist zu vermeiden. Die Person, die mit dem Hund Gassi geht, sollte eine eigene Leine mitbringen oder die Hundeleine sollte desinfiziert werden, um eine indirekte Übertragung des Virus zu vermeiden. Auch sollte inniger Kontakt zum Tier (auch möglicher Vektor, insb. Fell) vermieden werden.
  5. Nach dem Kontakt zum Tier sollten die Hände gründlich gewaschen werden.
  6. Sollte es gewünscht sein und/oder das Tier respiratorische Symptome zeigen, kann ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, um einen „Corona-Test“ durchzuführen. Dieser Test muss vom Tierarzt beim zuständigen Veterinäramt angezeigt werden. Eine Testung von epidemiologisch unauffälligen Tieren (d.h. Besitzer ist nicht erkrankt und auch keine Kontaktperson im Sinne des RKI [10]) wird jedoch nicht empfohlen.

Alles: [3, 8, 9]

Was tun, wenn mein Tier auch positiv getestet wird?

Derzeit gibt es keine Belege für eine Übertragung des Virus von Katzen (und Frettchen) auf den Menschen. Das Risiko sich an seinem Haustier mit SARS-CoV-2 zu infizieren wird weiterhin als gering angesehen.
Sollte ein Tier also doch positiv getestet werden (die Testung humaner Proben hat Vorrang!), sollte das Tier – sofern es sich nicht sowieso schon mit seinem Besitze in Quarantäne befindet – für mindestens 14 Tage in Quarantäne gehalten werden (analog zum Menschen). Achtung: Kontaktpersonen zu infizierten Tieren gelten als Kontaktpersonen 2. Grades und müssen auch als solche behandelt werden [3].

Weitere Informationen zum Kontaktpersonen-Management finden sich auf der Seite des RKI: www.rki. de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/ Kontaktperson/Management.html

 

Quellen:

  1. Lam, T.T., et al., Identifying SARS-CoV-2 related coronaviruses in Malayan pangolins. Nature, 2020.
  2. Linlin Bao, W.D., Hong Gao, Chong Xiao, Jiayi Liu, Jing Xue, Qi Lv, Jiangning Liu, Pin Yu, Yanfeng Xu, Feifei Qi, Yajin Qu, Fengdi Li, Zhiguang Xiang, Haisheng Yu, Shuran Gong, Mingya Liu, Guanpeng Wang, Shunyi Wang, Zhiqi Song, Wenjie Zhao, Yunlin Han, Linna Zhao, Xing Liu, Qiang Wei, Chuan Qin, Reinfection could not occur in SARS-CoV-2 infected rhesus macaques. bioRxiv, 2020.
  3. Friedrich-Löffler-Institut, COVID-19: Empfehlungen für den Umgang mit empfänglichen Haustieren. Open Agrar, 2020.
  4. Chen, H., Susceptibility of ferrets, cats, dogs, and different domestic animals to SARS- coronavirus-2. BioRxiv, 2020.
  5. Deena Beasley, K.P., Two New York cats become first U.S. pets to test positive for COVID-19. Reuters.com, 2020.
  6. Daly, N., Tiger tests positive for coronavirus at Bronx Zoo, first known case in the world. 2020.
  7. Leszczynski, U.v., Mieze, Bello und das Corona-Virus – für Forscher kein Grund zur Sorge. ÄrzteZeitung, 2020.
  8. Health, W.O.f.a., Questions and Answers on the 2019 Coronavirus Disease (COVID-19). 2020.
  9. Institut, F.L., FAQ: Welche Rolle spielen Haus- und Nutztiere? . 2020.
  10. RKI, Kontaktpersonennachverfolgung bei respiratorischen Erkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 2020.

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