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Tübinger Forscher dominieren die deutschsprachige Entwicklungs- und Pflanzenbiologie

Die Zeitschrift „Laborjournal“ hat ausgewertet, welche Wissenschaftler am häufigsten von Fachkollegen zitiert wurden


Tübingen, 28. Oktober 2009. Die erfolgreichsten Entwicklungs- und Pflanzenbiologen im deutschsprachigen Raum stammen aus Tübingen. Dies ist das Ergebnis zweier aktueller Studien der Zeitschrift „Laborjournal“. Die Zeitschrift hat verglichen, wie oft einzelne wissenschaftliche Artikel, die im Zeitraum von 2003 bis 2006 veröffentlicht wurden, von anderen wissenschaftlichen Artikeln in Fachzeitschriften zitiert worden sind. Dieses Kriterium wird generell zur Bewertung der Qualität eines Forschungsergebnisses verwendet. Unter den fünfzig meistzitierten Entwicklungsbiologen arbeiten neun am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und sechs am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) der Universität Tübingen. In der Liste der fünfzig besten Pflanzenforscher finden sich insgesamt neun Tübinger Wissenschaftler.

Die Ackerschmalwand im Tübinger Gewächshaus. Foto: Bernd Schuller / Max-Planck-Institut für EntwicklungsbiologieDetlef Weigel (47) vom Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie führt die Liste der meistzitierten Köpfe in der Entwicklungsbiologie und in der Pflanzenforschung mit großem Abstand an. Seine Arbeitsgruppe untersucht die genetische Vielfalt, also die Voraussetzung dafür, dass sich Tiere und Pflanzen an verschiedene Umweltbedingungen anpassen können. Sein Forschungsobjekt ist eine eher unscheinbare, aber nahezu weltweit verbreitete Pflanze: die Ackerschmalwand Arabidosis thaliana. Weigel interessieren vor allem die Kontrollmechanismen, die das Wachstum und das Blühverhalten bei Pflanzen steuern. So blühen Pflanzen derselben Art in wärmeren Gegenden früher als in kälteren Regionen, was sich auch in deren Erbinformationen widerspiegelt. „Wir wollen die molekularbiologischen Grundlagen dieser Variabilität verstehen, um in Zukunft Vorhersagen treffen zu können, wie bestimmt Nutzpflanzen auf Klimaveränderungen reagieren werden“, sagte Weigel. Seine Erkenntnisse auf  diesem hochaktuellen Gebiet haben dem Biologen bereits zahlreiche Preise eingebracht, vor zwei Jahren beispielsweise den Leibniz-Preis der deutschen Forschungsgemeinschaft.

Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten im Labor von Detlef Weigel. Foto: Gertrud Scheer, Max-Planck-Institut für EntwicklungsbiologieDie Tübinger Universitätskollegen am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP), darunter Gerd Jürgens (60), beschäftigen sich ebenfalls mit der Ackerschmalwand. Sie untersuchen unter anderem, wie das Hormon Auxin das Pflanzenwachstum steuert. Dass Jürgens seit 2008 auch Direktor einer Abteilung am MPI für Entwicklungsbiologie ist, hat zu einer deutlichen Intensivierung der Kooperationen zwischen beiden Einrichtungen geführt. Jürgens’ Gruppe am MPI beschäftigt sich mit der frühen Embryonalentwicklung der Ackerschmalwand. „Wir wollen beispielsweise herausfinden, wie die Zellen im Embryo lernen, wo sie sind, um sich entsprechend ihrer Lage zu Spross, Blatt oder Wurzel zu entwickeln“, so Jürgens.

Quelle
Laborjournal 10/2009, S. 63.


Ansprechpartner

Prof. Dr. Detlef Weigel
Tel: +49 7071-601-1411
E-Mail: Detlef.Weigel(at)tuebingen.mpg.de

Dr. Susanne Diederich (Presse- und Öffentlichkeitsabteilung)
Tel: +49 7071-601-333
E-Mail: presse(at)tuebingen.mpg.de

Das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie betreibt Grundlagenforschung auf den Gebieten der Biochemie, Molekularbiologie, Genetik sowie Zell- und Evolutionsbiologie. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für Entwicklungsbiologie ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.


Die Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana ist das beliebteste Forschungsobjekt der Tübinger Pflanzenforscher, Foto: Bernd Schuller / Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Die Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana ist das beliebteste Forschungsobjekt der Tübinger Pflanzenforscher, Foto: Bernd Schuller / Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Ländern forschen im Labor von Detlef Weigel an der Ackerschmalwand, Foto: Gertrud Scheer / Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Ländern forschen im Labor von Detlef Weigel an der Ackerschmalwand, Foto: Gertrud Scheer / Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Prof. Dr. Detlef Weigel, Leiter der Abteilung Molekularbiologie am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Foto: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Prof. Dr. Detlef Weigel, Leiter der Abteilung Molekularbiologie am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Foto: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie