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Stipendium für Impfstoff-Forscher

Dirk Linke vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie erhält ein mit 100.000 Dollar dotiertes Stipendium von der Bill & Melinda Gates Foundation.


Dirk Linke, Max-Planck-institut für EntwicklungsbiologieTübingen, 23. Oktober 2008. Neue, frische Ideen und Perspektiven zur Prävention oder Heilung von Infektionserkrankungen wie beispielsweise HIV/AIDS oder Tuberkulose zu fördern ist das Ziel der Bill & Melinda Gates Foundation. Dirk Linke vom Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie konnte sich mit seinem Wissenschaftsbeitrag durchsetzen. Er ist einer der 106 ausgewählten Stipendiaten, die ein Preisgeld von 100.000 US Dollar erhalten. Insgesamt hatten sich rund 4.000 Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern um diesen Preis beworben. Die Gewinner wurden am 22. Oktober 2008 beim Jahrestreffen der Gates Foundation Initiative in Bangkok bekannt gegeben.

About Grand Challenges Explorations
Grand Challenges Explorations is a five-year $100 million initiative to promote innovation in global health.  It is part of the Grand Challenges in Global Health initiative, which is supported by the Gates Foundation to achieve major breakthroughs in global health. The Explorations initiative uses an agile, streamlined grant process.  Applications are limited to two pages, and preliminary data are not required.  Proposals are reviewed and selected by a committee of foundation staff and external experts, and grant decisions are made within approximately three months of the close of the funding round.Applications for the second round of Grand Challenges Explorations are being accepted through November 2, 2008, and topics for the third round will be announced in early 2009.  Grant application instructions, including the list of topic areas in which proposals are currently being accepted, are available at www.gcgh.org/explorations.


Interview mit Dirk Linke:

Was hat Sie, Herr Linke, dazu bewegt, an diesem Forschungspreis teilzunehmen?
"Die Idee entstand, als ich letztes Jahr auf eine Reise nach Indien ging und im Vorfeld eine Reihe von Impfungen über mich ergehen lassen musste. Ein Tropenmediziner erklärte mir, dass die Impfung gegen Cholera auch gegen bestimmte auf Escherichia coli zurückzuführenden Durchfallerkrankungen hilft. Das hat mich neugierig gemacht, ich habe mich in die Thematik tiefer eingelesen, und bin zu dem Schluss gekommen, dass es möglich sein muss, solche Breitbandwirkungen gezielt zu finden (im Fall von Cholera war das eher eine Zufallsentdeckung). Eine einzelne Impfung gegen viele Krankheitserreger wäre besonders für die arme Regionen diese Welt ein echter Fortschritt."

Was ist die Kernidee Ihrer Arbeit?
"Die Idee ist, mittels bioinformatischer Methoden gemeinsame Prinzipien (sprich: homologe Oberflächenproteine) in den verschiedensten Krankheitserregern zu finden. Dabei hilft es uns, dass inzwischen die Genome vieler wichtiger Erreger komplett sequenziert sind. Mittels experimenteller Methoden möchten wir diese Treffer (die ja zunächst nur auf theoretischen Vorhersagen beruhen) dann bestätigen. Hierzu verwenden wir vor allem Massenspektrometrie, um zu zeigen, dass ein vorhergesagtes Protein auch wirklich auf der Oberfläche der Erreger zu finden ist. Denn nur dann kann das Immunsystem den Erreger nach einer Impfung erkennen."

Was möchten Sie mit Ihrer Forschung erzielen?
"Wir möchten einen Breitband-Impfstoff gegen eine Vielzahl Gram-negativer Krankheitserreger entwickeln. In diese Gruppe fallen vor allem Erreger von schweren Durchfällen, Lungenentzündung und bakterieller Hirnhautentzündung (Vibrio, Escherichia, Salmonella, Neisseria, Yersinia)."

Was werden Sie mit dem Preisgeld unternehmen? 
"Wir werden das Geld benutzen, um zwei neue Mitarbeiter zu bezahlen, einen für die bioinformatischen Analysen, und einen für die Labor-Nachweise der Oberflächenproteine. Ein kleinerer Teil des Geldes dient zur Deckung laufender Kosten für die Experimente (Sachmittel). Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dieser Art von interdisziplinärer Arbeit gemacht, die ganze Abteilung, in der auch meine Gruppe angesiedelt ist, besteht etwa zur Hälfte aus Theoretikern, und zur anderen Hälfte aus Biologen und Biochemikern, eine recht einzigartige Konstellation. Natürlich hoffen wir, innerhalb eines Jahres genügend Daten zu sammeln, um die Gutachter von der Machbarkeit unseres Vorhabens zu überzeugen und eine Verlängerung des Projektes zu ermöglichen. Längerfristig sollen dann unsere "Targets" in klinische Studien eingehen, und hoffentlich zu einem zugelassenen Breitbandimpfstoff führen. Letzteres ist innerhalb eines Jahres natürlich nicht machbar."

Grant Summary
The idea of this proposal is to identify all bacterial molecules that are part of the cell wall using bioinformatics and to find common principles or elements between them that could be used as vaccine ingredients. Ideally, such epitoped would be present in large subsets of Gram-negative pathogens. To ensure that the targets that are identified from bacterial genomes are really expressed in an infection, we will perform extensive proteomics studies of bacterial cell walls using membrance fractionation techniques combined with mass spectrometry. We have experience in the identification and experimental characterization of single classes bacterial surface molecules. Here, we propose to revert the approach. i.e. to identify the surface molecule classes that are present in a broad range of species from a complete list of predicted cell wall components. In a later stage of the project, we will use the identified epitopes in animal models (rabbits), and test whether the animals produce antibodies that react with a broad range of gram-negative pathogens. 


Weitere Informationen über die Arbeit von Dirk Linke erhalten Sie unter:
The Bacterial Cell Surface: Structure, Biochemistry, Pathogenicity


Ansprechpartner:
Dirk Linke
Tel.: 07071 601-357
E-Mail: dirk.linke(at)tuebingen.mpg.de


Das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie betreibt Grundlagenforschung auf den Gebieten der Biochemie, Molekularbiologie, Genetik sowie Zell- und Evolutionsbiologie. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für Entwicklungsbiologie ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.


Dirk Linke, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Dirk Linke, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie