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Feierliche Aufnahme in die älteste Akademie der Wissenschaften

Detlef Weigel, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen, wird in die Royal Society of London aufgenommen


Prof. Dr. Detlef Weigel, Direktor der Abteilung für Molekularbiologie. Foto: Anne Faden / Max-Planck-Institut für EntwicklungsbiologieTübingen, 14. Juli 2010. Die Royal Society of London ist die älteste, ununterbrochen aktive wissenschaftliche, Akademie der Welt. Letzten Monat feierte sie in einem großen Festakt in der Gegenwart der königlichen Familie ihr 350 jähriges Bestehen. Am 16. Juli werden in einer feierlichen Zeremonie acht neue auswärtige Mitglieder aufgenommen, darunter Carl Djerassi, der Erfinder der Antibaby-Pille und Detlef Weigel, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie.  

Die 1660 gegründete Royal Society of London ist die nationale, britische Akademie zur Pflege der Naturwissenschaften. Zu den zwölf Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Christopher Wren, Architekt der St. Paul’s Cathedral, und Robert Hooke, Wegbereiter der Mikroskopie. Isaac Newton war einer der ersten Präsidenten zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Heute spielt die Royal Society eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen Beratung der Regierung Großbritanniens sowie in der Forschungsförderung. Ihr gehört nur ein kleiner, exklusiver Kreis deutscher Wissenschaftler an, zu welchem neben mehreren Nobelpreisträgern wie Christiane Nüsslein-Volhard nur der ehemalige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, zählt. Am 16. Juli 2010 wird in einer feierlichen Zeremonie nun auch der Tübinger Molekularbiologie Detlef Weigel aufgenommen. Er ist als Deutsch-Amerikaner bereits Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie der National Academy of Sciences der Vereinigten Staaten.  

Detlef Weigel ist ein Pionier der Molekulargenetik der Pflanzen. „Seine Arbeiten zur natürlichen Variation haben grundlegende Einsichten in die Entwicklung, die pflanzliche Antwort auf Umweltsignale, die Fitness von Hybriden und in die Artenbildung bei Pflanzen geliefert“, sagte Lord Rees, Präsident der Royal Society. Das hohe Ansehen, das Weigels Forschungen genießen, lässt sich auch daran erkennen, dass er seit mehreren Jahren der, in der weltweiten Fachpresse, am häufigsten zitierte Entwicklungs- und Pflanzenbiologe des deutschsprachigen Raums ist.  

Detlef Weigel studierte von 1981 bis 1986 Chemie und Biologie in Bielefeld und Köln. Nach einer nur 27 Monate dauernden Doktorarbeit promovierte er 1988 in Tübingen mit seinen Untersuchungen zur Musterbildung bei Drosophila. Seinem Aufenthalt am California Institute of Technology (Caltech) als Post-Doktorand folgte eine Anstellung zunächst als wissenschftlicher Assistent und dann als außerordentlicher Professor am Salk Institute in La Jolla außerhalb von San Diego. Dieses wurde von dem Erfinder des Polio-Impfstoffs, Jonas Salk, gegründet. Auch Francis Crick, der gemeinsam mit James Watson die DNS-Struktur aufklärte, arbeitete dort. Im Jahr 2002 nahm Weigel einen Ruf als Direktor an das Tübinger Max-Planck-Institut an, wo er die Abteilung für Molekularbiologie gründete. Er berät darüber hinaus viele wissenschaftliche Einrichtungen im In- und Ausland. Seine Forschungen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis und dem Otto-Bayer-Preis.  

Nach seinem Wechsel in die Pflanzenforschung beschäftigte sich Weigel hauptsächlich mit der Blütenentwicklung und der Kontrolle des Blühbeginns. Das erweckte bei ihm das Interesse für die Evolution adaptiver Merkmale, für die das Blühen ein Paradebeispiel darstellt. Neben Arbeiten zu genetischen Variationen beim Blühbeginn und anderen umweltabhängigen Entwicklungsvorgängen kommt der Genomforschung inzwischen eine große Bedeutung in seiner Abteilung am Max-Planck-Institut zu. Dabei beschränkt sich der Molekularbiologe nicht nur auf die Ackerschmalwand, Arabidopsis thaliana, die bei Pflanzenforschern einen ähnlichen Stellenwert wie die Drosophila bei Medizinern hat, sondern er arbeitet auch mit dem Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) auf den Philippinen zusammen. In diesen Projekten soll die konventionelle Züchtung mit modernsten, bei Weigel entwickelten Methoden der Genkartierung schneller vorangetrieben werden.    


Mehr Informationen:
Die Royal Society of London
Neue Mitglieder der Royal Society of London 


Kontakt:
Prof. Dr. Detlef Weigel
Tel.: 07071 601-1410
E-Mail: detlef.weigel(at)tuebingen.mpg.de  

Stephanie Bertenbreiter (Presse- & Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: 07071 601-333
E-Mail: presse(at)tuebingen.mpg.de  

Das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie betreibt Grundlagenforschung auf den Gebieten der Biochemie, Molekularbiologie, Genetik sowie Zell- und Evolutionsbiologie. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für Entwicklungsbiologie ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.