Nachwuchsforscherin für Projekt zur inneren Uhr des Menschen gewürdigt
Maydel Fernandez-Alonso erhält J. Christian Gillin Early Career Investigator Award 2026
Maydel Fernandez-Alonso, Postdoktorandin in der Max-Planck-Forschungsgruppe für translationale sensorische und zirkadiane Neurowissenschaften, wurde kürzlich von der Society for Light, Rhythms, and Circadian Health (SLRCH) mit dem J. Christian Gillin Early Career Investigator Award 2026 ausgezeichnet. Dieser Preis würdigt die herausragenden Forschungsleistungen der Nachwuchswissenschaftlerin auf dem Gebiet der Chronobiologie. Nach ihrer Promotion im Gebiet der Sehforschung an der Newcastle University widmete sich Fernandez-Alonso der Erforschung, wie das Gehirn das von beiden Augen empfangene Licht verarbeitet, um die innere Uhr des Körpers zu regulieren. Wir sprachen mit Maydel über ihr gewürdigtes Projekt.
Herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des J. Christian Gillin Early Career Investigator Award 2026. Was war Deiner Meinung nach die wichtigste Erkenntnis, die die Aufmerksamkeit der Auswahlkommission auf Dich gelenkt hat?
Meine Forschung konzentriert sich darauf, wie Licht im Gehirn verarbeitet wird, um unsere biologische Uhr zu synchronisieren. Die Rolle des Lichts bei der Bildentstehung wird schon seit Jahrzehnten untersucht, doch wie es unsere innere Uhr einstellt, ist ein viel neueres Forschungsgebiet, das erst seit etwa 20 Jahren wirklich ergründet wird. Wir verstehen noch nicht vollständig, wie das Gehirn Licht nutzt, um unsere Uhr synchron zu halten. Der Großteil der Forschung hierzu wurde an Tieren, insbesondere an Mäusen, durchgeführt. Meine Arbeit konzentriert sich jedoch auf den Menschen und insbesondere darauf, wie die Uhr Lichteindrücke von beiden Augen zu einem einzigen Signal verknüpft. Meiner Meinung nach war es besonders preiswürdig, dass ich zeigen konnte, dass wir diese Mechanismen trotz der zusätzlichen Komplexität auch am Menschen sinnvoll untersuchen können.
Was ist das wichtigste Ergebnis Deines ausgezeichneten Forschungsprojekts?
Wenn man eine Lichtquelle mit beiden Augen betrachtet, ist das Signal, das an die innere Uhr vermittelt wird, viel stärker als bei Betrachtung mit nur einem Auge. Das nicht nur, weil die beiden Eindrücke zusammengefügt werden. Es gibt eine Art zusätzlichen, sogenannten nichtlinearen Verstärkungseffekt, der speziell dann auftritt, wenn beide Augen beteiligt sind. Interessanterweise unterscheidet sich dies stark von der Funktionsweise des Sehvermögens: Die visuelle Wahrnehmung ändert sich kaum, wenn man ein Auge schließt, doch für die innere Uhr des Körpers macht es einen großen Unterschied, ob man mit einem Auge oder mit beiden Augen schaut.
Welche Auswirkungen könnte dies auf die klinische Praxis haben?
Hier ein Beispiel: Nachtarbeitende benötigen helles Licht, um ihre Aufgaben zu verrichten, doch dies stört ihre innere Uhr. Durch das Filtern von Licht, insbesondere von blauem Licht, und zwar nur in einem Auge, ist es möglich, die innere Uhr zu regulieren und gleichzeitig eine ausreichende Sehfähigkeit für die Arbeit aufrechtzuerhalten. Oder anhand eines anderen Beispiels gesagt: Wenn man nachts aufstehen und das Licht einschalten muss, ist das Schließen eines Auges eine einfache Möglichkeit, eine Störung der inneren Uhr zu verringern.
Was hast Du aus diesem Projekt gelernt, sowohl wissenschaftlich als auch persönlich?
Ich sammle nun schon seit über drei Jahren Daten. Ein Großteil davon war praktischer Natur: die Einrichtung eines neuen Labors, die effiziente Durchführung von Versuchsreihen abends und in der Nacht sowie die Arbeit mit Testpersonen, die einen regelmäßigen Schlafrhythmus einhalten und mehrmals vorbeikommen müssen. Da ich zudem aus einem etwas anderen Bereich der Neurowissenschaften komme, gab es eine echte Lernkurve, was Chronotypen, Schlafhormone und den Umgang mit biologischen Proben betraf.
Was hat Dich eigentlich zu diesem Forschungsgebiet hingezogen?
Ich habe in der Sehforschung angefangen und untersucht, wie Licht dazu beiträgt, Bilder im Gehirn zu erzeugen. Mich faszinierte die Tatsache, dass Licht uns auf eine Weise beeinflusst, die uns nicht bewusst ist. Es wirkt sich auf unseren Schlaf, unsere Gesundheit und unseren zirkadianen Rhythmus aus. Da ich selbst ein sehr später Chronotyp bin, fand ich es spannend zu verstehen, wie Licht genutzt werden kann, um den zirkadianen Rhythmus einer Person zu verschieben und damit ihre Gesundheit zu verbessern. Es ist außerdem ein relativ neues Forschungsgebiet, was bedeutet, dass es noch viel zu entdecken gibt.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wird Deine Forschungsarbeit weitergehen, und was sind Deiner Meinung nach große offene Fragen?
Wir haben nun einen umfangreichen Datensatz aus unseren Experimenten gesammelt, und ein auffälliges Muster ist, wie stark sich die Menschen in ihrer Lichtempfindlichkeit unterscheiden. Wir wissen noch nicht, was diese Unterschiedlichkeit verursacht. Anhand dieses Datensatzes möchte ich jedoch nun weiter untersuchen, ob sie mit dem biologischen Geschlecht, der Jahreszeit, der täglichen Lichtexposition oder der individuellen Empfindlichkeit der Netzhaut zusammenhängt, die wir anhand der Pupillenreaktionen messen können.
Was sind Deiner Meinung nach die großen offenen Fragen in der Schlafforschung?
Die individuelle Lichtempfindlichkeit ist bestimmt eine der für mich wichtigsten Erkenntnisse. Zugleich führt das zu neuen Fragen. Wenn wir lichtbasierte Therapien entwickeln wollen, zum Beispiel für saisonale Depressionen oder Schlafprobleme, die auf jede Person zugeschnitten sein sollen, müssen wir zunächst verstehen, was diese Unterschiede zwischen den einzelnen Personen tatsächlich verursacht.
Was bedeutet diese Anerkennung für Dich, sowohl persönlich als auch beruflich?
Beruflich bedeutet es mir sehr viel, von Kollegen in meinem speziellen Forschungsgebiet in dieser Form anerkannt zu werden. Persönlich fühlt es sich ziemlich gut an, diesen Preis zu erhalten. In der Wissenschaft nehmen wir oft Entbehrungen in Kauf und arbeiten lange Stunden, daher ist eine solche Anerkennung sehr bedeutsam!
Vielen Dank für Deine Zeit und alles Gute für die Zukunft!

