Wir trauern um Prof. Dr. Friedrich Bonhoeffer

Im Alter von 88 Jahren verstarb am 29. Januar 2021 im Kreis seiner Familie unser Kollege und Freund Friedrich Bonhoeffer.

Prof. Dr. Friedrich Bonhoeffer

Friedrich Bonhoeffer kam über die Physik zur Biologie. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Berkeley, Kalifornien, begann er ab 1961 mit seinen Forschungen als Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Virusforschung, dem heutigen Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Er gehörte auch zu den ersten Gruppenleitern am Friedrich-Miescher-Laboratorium und wurde 1972 als Direktor an das Max-Planck-Institut für Virusforschung berufen.

Nachdem für viele Jahre die DNA-Replikation im Fokus von Bonhoeffers Arbeiten gestanden hatte, begann er Mitte der 1980er, sich mit einem wichtigen Problem der Neurobiologie zu beschäftigen. Er entwickelte dazu ein völlig neuartiges experimentelles System, mit dem er die molekularen Mechanismen entschlüsseln konnte, die für ein geordnetes und gezieltes Wachstum der Nervenverbindungen zwischen dem Auge und dem optischen Tectum, einem für das Sehen wichtigen Areal im Gehirn, verantwortlich sind.

Bonhoeffer zeigte, dass im sich entwickelnden Gehirn die Bildung der korrekten Verbindungen sowohl durch anziehende als auch abstoßende molekulare Signale zwischen den Axonen und den Zielzellen vermittelt wird. Diese Entdeckungen waren bahnbrechend, denn sie bewiesen erstmals experimentell, dass geordnete Verbindungen im Nervensystem durch chemische Moleküle in Form von Gradienten organisiert werden. Hierfür erhielt er gemeinsam mit seinen Kollegen Corey Goodman und Marc Tessier-Lavigne noch letztes Jahr den hochdotierten Gruber-Preis für Neurowissenschaften.

Wir verlieren mit Friedrich Bonhoeffer einen hoch geschätzten Kollegen und treuen Freund des Instituts und der Max-Planck-Gesellschaft. Für alle von uns, die ihn kennenlernen durften, war dies ein großes Privileg. Wir werden ihn sehr vermissen.